Trotz aller Technik hat auch im Weinberg das Handwerk goldenen Boden: Eine Handlese, von sachkundigen Leuten durchgeführt, schont den Rebstock und ergibt ein besseres Lesegut. Die Traubenernte im Herbst ist, zusammen mit dem Schnitt der Reben im Frühjahr, die arbeitsintensivste und aufwendigste Zeit im Rebbaujahr. Daher ist es begreiflich, wenn das Augenmerk der Winzer schon längere Zeit der Rationalisierung der Traubenernte galt: mit einer ausgeklügelten Maschine, dem Traubenvollernter, war die Hilfe da. Für viele Winzer ist diese Frage «maschinell oder von Hand» kein Thema, weil verschiedenste Voraussetzungen nur die eine oder andere Leseart zulassen. Die maschinelle Traubenernte Das Funktionsprinzip des Traubenvollernters ist verhältnismässig einfach: Die Maschine bildet einen Tunnel, in dem Glasfiberstäbe Vibrationen ausführen.

Die Rebreihe wird im Tunnel gerüttelt, und die reifen Traubenbeeren fallen auf einen rollenden Teppich, der die Beeren in die Behälter bringt. Ein Ventilator bläst mitfallende Blätter weg. Im Rebberg ist eine maschinelle Traubenernte bis zu einer Steigung von 30% möglich. Die Reben müssen an einem Drahtrahmen gezogen werden, damit sie genügend Stabilität für den Erntevorgang aufweisen. Da der Traubenvollernter eine schwergewichtige Maschine ist, besteht bei zu feuchtem Boden oft die Gefahr von Bodenverdichtungen. Schnell und günstig: Die Erntemaschine. Doch wer Qualität anstrebt, kann sich damit nicht anfreunden. Die Suppe, die durch die Erntemaschine im Keller landet, sieht ziemlich unappetitlich aus. Es ist verständlich, dass es hier viele Tricks und Kniffs braucht, um daraus Wein zu machen. Der Traubenvollernter kann im optimalen Zeitpunkt eingesetzt werden, er hat eine hohe Schlagkraft und erntet einen Hektar in 3 bis 5 Stunden ab. Um dieselbe Leistung von Hand zu erbringen, bräuchte es etwa 40 bis 60 Leute, die zur Zeit der Weinlese schwierig aufzubieten sind. Der grosse Vorteil der Handlese besteht im Begutachten des Reifegrades durch den Menschen. Im Gegensatz der Traubenernte durch Maschinen, die alles radikal abernten, kann der Winzer unterscheiden zwischen gesunden, reifen, faulen oder unreifen Trauben. Gerade in schwierigen Jahren, wenn die Trauben nicht alle zur selben Zeit reif sind, erlaubt eine Handlese ein selektives Ernten. Geschultes Personal kann die Ernte in zwei Lesen vollziehen, was sich in einer besseren Qualität zeigt.